Flachlandtiroler auf Up-Wegen

Anita Horn Mein Triathlon

Ich bin Kölnerin. Brücken sind für mich Berge. Kopfsteinpflaster kommen wilden Trampelpfaden gleich. Und trotzdem stürze ich mich 2019 in ein neues Abenteuer namens Trailrunning. Und wenn dann richtig – ich werde über die Alpen laufen. 272 Kilometer mit 16.000 Metern aufwärts in sieben Tagen. Man wächst doch an seinen Aufgaben, oder?

Ich habe vor kurzem den Ironman Frankfurt gefinisht und damit mein größtes sportliches Ziel eh und je erreicht. Dachte ich. Bis ich neulich ein Geschenk bekam, das mich vor völlig neue Aufgaben stellt: einen Gutschein für meinen ersten Ultralauf. Danke, Sandra! 🙂

Wenn schon, denn schon

Und weil ich dafür eh hart trainieren muss, habe ich mir überlegt, gleich noch ein paar mehr Ultras und Trailläufe anzugehen. Wenn schon, denn schon. Dabei ist mir sehr bewusst, auf was ich mich da einlasse, denn ich habe hier und da schon ein bisschen Trailluft geschnuppert: bei drei Tagen Trailrunning auf Mallorca und dem K21 dort, und beim Platinman in Hennef. Mit fast 30 Kilometern und 900 Höhenmetern war der Lauf für mich schon ein echte Herausforderung. Es war matschig, kalt und ich war eine ganze Weile unterwegs. Aber ich mache keine halben Sachen und liebe die Herausforderung. Also habe ich mich für 2019 direkt für die ganz dicken Brocken entschiede. Man wächst doch an seinen Aufgaben, oder? 

TAR | ZUT | E51

Als Stadtkind und Straßenläufer wusste ich bis vor kurzem nichts mit diesen außerirdischen Bezeichnungen anzufangen: TAR. ZUT. E51. Klingt nach fremden Planeten oder speziellen Lebensmittelzusätzen auf der Nudelpackung. In Wirklichkeit handelt es sich aber um meine neuen Begleiter. TAR steht für TransAlpinRun. ZUT steht für Zugspitz Ultratrail und der E51 ist die 51-Kilometer-Strecke des Eiger Ultra Trails rund um den Grindelwald. 

Geht´s noch?

Noch geht´s. Aber ich glaube, wenn ich die ersten Trainings absolviere werde ich fluchen, toben und zweifeln. Mein Ziel ist es, ab sofort mehr Abwechslung in mein Lauftraining zu bringen. Ich werde Intervalle, Hill Reps und Brückensprints machen, lange Läufe einplanen und mit einer einigermaßen guten Grundlage dann natürlich auch in die Eifel, ins Bergische oder sonst wohin fahren. Ich werde wandern, Megamärsche machen und gezieltes Krafttraining für Beine und Oberkörper mit einbauen. Denn ich habe gehört, dass vor allem das Runterlaufen auf die Gelenke geht. Und runter geht es ziemlich oft ziemlich viel. 

Die Details

Los geht es im Juni mit dem Zugspitz Ultratrail. Ich tendiere zum Basetrail XL mit knapp 40 Kilometern und +2000 Metern abwärts. Möglich wäre theoretisch auch noch der Supertrail mit knapp 63 Kilometern und +3100 Höhenmetern, aber ich muss es ja nicht gleich übertreiben. In der zweiten Juli-Hälfte geht´s dann an die Eiger Nordwand. Die kenne ich schon. Aus dem Fernsehen. Der Lauf gipfelt auf dem Faulhorn. Nur dass Frau Horn hier alles andere als faul ist. Lasset die Spiele beginnen! 

Über die Alpen

Das Highlight wird das das Etappenrennen über die Alpen. Acht Tage, über 270 Kilometer, +16.000 Höhenmeter nur up-wärts und genauso viel wieder abwärts. „Du bist bekloppt“, sagte mir eine Freundin dazu. „Das ist nicht mehr auszuschließen“, habe ich geantwortet. Ich bin weder eine besonders starke noch schnelle Läuferin. Ich habe in meinem Leben drei Marathon, einen Ironman und viele kleinere Wettkämpfe bestritten, aber alpine Strecken, die gar keine echten Wege mehr haben, Gletscher, die ich nur mit Hilfe von Wanderstöcken bezwingen kann und dann auch noch Zeitlimits, die es einzuhalten gilt – das ist schon ziemlich irre. Im Schnitt läuft man beim TAR jeden Tag einen Marathon. Und das sieben Mal hintereinander mit gut 2.500 Höhenmetern durchschnittlich. Heidi Witzka, sag ich nur.

Mein Training

Über mein Training, meine mentale Vorbereitung, Ausflüge in die Berge und alle Ups and Downs, die ich auf diesem Weg in doppelter Hinsicht mitnehme, erzähle ich euch jetzt regelmäßig: ab dem 1.1.2019 hier in meinem Blog. Wer weiß, vielleicht wollt ihr ja auch mal einen Ultra laufen. Und wenn ich das schaffen kann, könnt ihr das auch. Denn ich bin ein Flachlandtiroler ab Up-Wegen. Und nehme euch gerne mit!